Weshalb wird die Plattform geschlossen?

Silke Fisher - 25-09-2019

Microgaming schließt seine Poker-PlattformAm Freitag gab der weltbekannte Online Casino-Spiele-Entwickler Microgaming bekannt, dass sie spätestens zum 3. Quartal 2020 ihre bereits seit 16 Jahren bestehende Poker-Plattform einstellen werden. Der CEO von Microgaming, John Coleman, gab bekannt, dass diese Entscheidung getroffen wurde, nachdem das Microgaming-Produktportfolio in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Produktivität überprüft wurde. Es wurde festgestellt, dass der Aufwand die Mittel nicht mehr rechtfertige. Auch wird die Ausrichtung des Unternehmens künftig in eine andere Richtung gehen, da wäre dieses Network aufgrund der Bindung von Ressourcen eher hinderlich.

Neben den laufenden Kosten für die Weiterentwicklung und Instandhaltung könnten auch die Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz (AI) und auch von Computer Poker Bots eine Rolle gespielt haben, um diese Entscheidung schneller voranzutreiben. Poker Bots werden von Hackern auf eingerichteten Echtgeldkonten eingesetzt – und diese Bots spielen Rund um die Uhr. Großartige Gewinne lassen sich durch das Spiel selbst nicht realisieren, aber durch die hohe Spieltätigkeit erhalten diese Konten Gutschriften und sonstige Vergünstigungen, die einen beträchtlichen Geldwert darstellen.

Eine aufwändige Prozedur ist notwendig, um diese illegalen Konten zu finden und zu schließen. Bei der letzten Überprüfung wurde festgestellt, dass jedes Achtzigste Konto ein Bot-Konto war. Diese Konten wurden geschlossen und die Guthaben konfisziert – aber der Überprüfungsaufwand ist beträchtlich und möglicherweise auch ein Grund für die Schließung.

Geschichte des Networks

Microgaming brachte mit „Prima Poker“ im Jahr 2003 die erste ernstzunehmende Online-Poker-Plattform auf den Markt. Die Spieler, die bis dahin nur rudimentäre Systeme kannten, waren von der Entwicklung hellauf begeistert und meldeten sich in Scharen an. Weitere Betreiber wurden Unteranbieter dieser Plattform, die sich dann in Microgaming Poker Network (MPN) umbenannte. Bis zu 20 Betreiber waren in den Sternstunden Teil der Plattform und die Konkurrenz hatte das Nachsehen.

Mit der Zeit rüsteten dann aber die Mitbewerber wie PokerStars oder WSOP extrem auf und überholten die MPN. Dies führte dazu, dass sich einige Betreiber von der Plattform zurückzogen und dadurch Microgaming Einnahmen verloren gingen. Durch die Weiterentwicklungen der Konkurrenz gingen den Betreibern auf der Plattform auch Spieler verloren.

Aber man muss sich trotzdem daran erinnern, dass sehr viele Online-Poker-Stars ihr Handwerk auf der MPN-Plattform erlernt haben. Viele der heutigen Profis haben bei MPN die ersten Turniere gespielt und die ersten Gelder gewonnen. Aktuell reicht es aber für MPN nur als Nr. 3 der Welt angesehen zu werden.

Microgaming stand nun am Scheideweg, ob nun weiterhin mehr Geld in die Plattform investiert werden soll, um diese wieder an der Konkurrenz vorbei auf den ersten Platz voranzubringen, oder aber, ob die Plattform aufgrund der Kosten- und Einnahmesituation eigestellt werden soll. Die Macher bei Microgaming haben sich für zweiteres entschieden und somit ist spätestens im 3. Quartal 2020 die Ära dieser Plattform vorbei.

Was kommt auf die Spieler zu?

In der Mitteilung wird ganz klar betont, dass die Plattform nicht in finanziellen Schwierigkeiten sei und dass die Schließung nur aufgrund der Neuausrichtung des Produktportfolios durchgeführt wird. Alle Kundengelder auf den jeweiligen Spielerkonten sind absolut sicher und es werden auch alle Live-Turniere und Events, wie die Microgaming Poker Network Tour auf Malta im Oktober, natürlich stattfinden.

Wird sich Microgaming komplett zurückziehen?

Der CEO hat in seinem Blog Post verlauten lassen, dass der Rückzug der Plattform kein endgültiger Abschied sein. Nach einer Neuausrichtung des Produktportfolios werden wir Microgaming sicherlich wieder als Player in der Online-Poker-Branche begrüßen können.