Werbung für deutsche Online-Casinos: Steigende Ausgaben trotz Illegalität?

Silke Fisher - 30-08-2019

WerbungIn der ersten Hälfte des Monats August 2019 wurden die interessanten Ergebnisse der fünf Jahre währenden Studie „Werbemarktanalyse Glücksspiel“ bekannt: Etwas mehr als 400 Millionen Euro wurden demnach im letzten Jahr für Werbung überwiegend für Online-Casinos ausgegeben und das nur durch deutsche Anbieter! Dies gab „research tools“, die bekannte Marktforschungsgesellschaft, jüngst bekannt.

Interessante Trends sind das Ergebnis der Studie

Egal, ob die Spieler Poker oder Blackjack spielen wollen, ob sie sich für Automatenspiele oder Roulette interessieren: Online-Casinos haben ihren ganz eigenen Reiz. Sie haben sich inzwischen einen festen Platz in der Glücksspiellandschaft erobert, obwohl viele Produkte immer noch illegal sind.

Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Studie zufolge die Menge der Werbung, die im Fernsehen und Rundfunk, im Internet oder in den Printmedien geschaltet wurde, um das Dreifache gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Ausgaben um 14 Prozent gewachsen. Durchschnittlich seien es 64 Anbieter, die im Monat Werbung betreiben, wobei die fünf größten Marken für mehr als die Hälfte der Werbung verantwortlich zeichneten. Besonders interessant: Die Online-Casinos haben den größten Anteil an der Werbung und sogar rund 70 Millionen Euro mehr in Werbung investiert. Und das trotz des Werbeverbots, das unlängst verhängt wurde! Bekannte Namen wie bwin, Pokerstars, Unibet und Wunderino tauchen dabei auf. Doch angesichts der Tatsache, dass der deutsche Glücksspielmarkt mehr als undurchsichtig ist, gibt es bislang keine wirklichen Konsequenzen für die Anbieter und Werbenden zu befürchten.

Eingeschränkte Werbung möglich

Die Inhalte der Webseiten der werbenden Anbieter sind illegal, zumindest in Deutschland. Streng genommen dürfen diese Anbieter daher auch nicht in deutschen Medien werben. Eine Ausnahme besteht allerdings: Wenn der Anbieter über eine Regionallizenz verfügt, die in Schleswig-Holstein vergeben wird oder wenn Sportwetten angeboten werden, die in Deutschland erlaubt sind, ist die Werbung in eingeschränktem Maße möglich. Sportwetten machen der Studie zufolge aber nur etwa 20 Prozent der gesamten Werbung bzw. der Ausgaben für Werbemaßnahmen aus. Dabei hatten es die Anbieter von Sportwetten sogar besonders schwer, denn sie wurden jetzt der Dachmarkenwerbung verdächtigt. Der Grund: Viele Buchmacher offerieren nicht nur Sportwetten, sondern auch Spiele für das Online-Casino, für die angeblich ebenfalls Werbung gemacht wird.

Werbung ist auch für staatliche Lotterien erlaubt, deren Werbeinvestitionen sich in den letzten fünf Jahren ebenfalls deutlich erhöht haben. Ihr Werbeanteil macht zwar nur zehn Prozent aus, doch ein deutlicher Trend nach oben ist hier ebenfalls gegeben.

Auffällig ist in dem Zusammenhang, dass es immer mehr Prominente gibt, die sich für Werbung für Online-Casinos oder die Glücksspielbranche allgemein vor die Kamera begeben. Fernsehwerbung ist hierbei am relevantesten, Printmedien und Online-Banner sind aber ebenfalls starke Werbemedien. Gerade online lassen sich zahlreiche Angebote erfolgreich platzieren und wen wundert es, dass es vor allem die Online-Casinos sind, die hier werbetechnisch die Nase vorn haben?

Das gibt Ärger!

Im März 2019 mussten viele Fernseh- und Rundfunksender eine Schlappe einstecken: Sie erhielten eine Verwarnung, weil sie Glücksspiel-Werbung ausgestrahlt hatten. Hier stellt sich das Dilemma für die Glücksspielbranche und natürlich für Online-Casinos dar: Noch sind sie dank der eingeschränkten Werbemöglichkeiten auf dem Weg nach oben, doch zumindest werbetechnisch könnte sich hier bald ein Abwärtstrend zeigen, wenn sich die Sender an das offizielle Verbot halten. Nun bleibt abzuwarten, wie sich das Werbeverhalten mit dem geplanten dritten Glücksspielvertrag ändert und ob es hier überhaupt Neuerungen bezüglich der Werbung geben wird.

Viele Anbieter aus dem Ausland zeigen sich ebenfalls auf dem deutschen Werbemarkt sehr präsent. Sie nutzen dabei aus, dass sie eine Lizenz zum Beispiel aus Malta oder von der Isle of Man erhalten haben und sich ihrer Meinung nach nicht an die deutschen Regelungen halten müssten. Das ist natürlich nicht richtig, denn auch für diese Anbieter gilt das deutsche Werbeverbot. Die Aufsichtsbehörden greifen hier bislang aber nur halbherzig bis gar nicht ein. Frei nach dem Motto: Wer sein Geld im Online-Casino verspielen möchte, kann das auch tun!